Bevor irgendjemand über eine Migration, ein Framework-Update oder eine neue Bibliothek spricht, steht eine banal klingende Frage im Raum: Welche PHP-Version läuft eigentlich auf Ihrem Server? Erstaunlich oft kann sie niemand im Team sicher beantworten. Das ist kein Zeichen von Nachlässigkeit — es ist der Normalzustand bei gewachsenen Anwendungen, die seit Jahren zuverlässig laufen. Genau deshalb lohnt es sich, die PHP-Version sauber zu prüfen, statt sie zu raten.
Die Antwort ist wichtiger, als sie scheint. PHP 7.4 hat seit November 2022 kein Sicherheits-Update mehr erhalten, PHP 8.0 seit November 2023, PHP 8.1 seit Ende 2025. Wenn Sie nicht wissen, wo Sie stehen, wissen Sie auch nicht, welchen Risiken Sie ausgesetzt sind. Und Sie können nicht einschätzen, wie groß der Weg zu einer aktuellen Version wirklich ist.
Warum es oft mehrere PHP-Versionen gleichzeitig gibt
Der häufigste Fehler bei dieser Frage ist die Annahme, es gäbe genau eine Antwort. In der Praxis laufen auf einem Server fast immer mehrere PHP-Versionen parallel — und sie können sich unterscheiden.
Der Grund: Die PHP-Version für Ihre Webseite (das, was der Webserver ausführt) ist häufig eine andere als die auf der Kommandozeile (CLI). Ein Cronjob, ein Deployment-Skript oder eine Symfony-Console kann also mit PHP 8.2 laufen, während Ihre eigentliche Anwendung im Browser noch von PHP 7.4 ausgeliefert wird. Wer nur an einer Stelle prüft, zieht schnell die falschen Schlüsse.
Merken Sie sich diese Unterscheidung: Web-SAPI (das PHP hinter Ihrer Webseite, meist via PHP-FPM oder mod_php) und CLI-SAPI (das PHP im Terminal). Prüfen Sie immer beide.
Wie prüfe ich die PHP-Version über die Kommandozeile?
Wenn Sie SSH-Zugang zum Server haben, ist die Kommandozeile der schnellste und ehrlichste Weg. Führen Sie diesen Befehl aus:
php -v
Die Ausgabe zeigt in der ersten Zeile die exakte Version, etwa PHP 8.2.14 (cli). Das (cli) ist der entscheidende Hinweis: Sie sehen hier die CLI-Version, nicht die Ihrer Webseite.
Oft sind mehrere Versionen installiert. Suchen Sie sie so:
ls /usr/bin/php*listet installierte Binaries wiephp7.4,php8.1,php8.2.php8.2 -vprüft gezielt eine bestimmte Version.which phpzeigt, welches Binary bei einem einfachenphp-Aufruf tatsächlich verwendet wird.
Gerade auf Systemen mit mehreren installierten Versionen ist which php aufschlussreich. Das, was Ihre Cronjobs verwenden, ist nämlich genau dieses Standard-Binary.
Wie finde ich heraus, welche PHP-Version meine Webseite nutzt?
Die CLI-Version sagt nichts über Ihre laufende Anwendung aus. Um die Web-Version zu prüfen, legen Sie eine kleine Datei im öffentlichen Verzeichnis Ihrer Anwendung an, zum Beispiel info.php:
<?php phpinfo();
Rufen Sie die Datei im Browser auf (etwa https://ihre-domain.de/info.php). Ganz oben steht die exakte PHP-Version, die Ihre Webseite ausliefert. Sie sehen zusätzlich die geladenen Erweiterungen, die aktive php.ini, Speicher-Limits und die Server-API (Server API: FPM/FastCGI oder Apache 2.0 Handler).
Wichtig — und oft vergessen: Löschen Sie diese Datei sofort wieder. phpinfo() offenbart interne Pfade, Modulversionen und Konfigurationsdetails, die ein Angreifer für gezielte Attacken nutzt. Eine dauerhaft erreichbare phpinfo.php ist ein echtes Sicherheitsrisiko, kein Schönheitsfehler. Legen Sie sie an, lesen Sie ab, löschen Sie sie.
PHP-Version prüfen ohne SSH-Zugang
Nicht jeder hat Terminal-Zugriff, gerade bei Shared Hosting. Auch dann kommen Sie an die Information:
- Hosting-Panel: In Plesk, cPanel oder der Oberfläche Ihres Providers finden Sie die PHP-Version meist unter einem Punkt wie „PHP-Einstellungen" oder „PHP-Version auswählen". Dort lässt sie sich häufig auch direkt umschalten.
- Innerhalb der Anwendung: Wenn Sie Code ausführen können, gibt Ihnen die Konstante
PHP_VERSIONoder die Funktionphpversion()die laufende Version zurück — exakt die der Web-Umgebung, in der Ihr Code arbeitet. - Über die Anwendung selbst: Symfony zeigt die PHP-Version im Profiler und über
php bin/console about. Laravel liefert sie unter anderem überphp artisan --versionim Zusammenspiel mit der Umgebung, und viele CMS zeigen sie im Admin-Bereich unter „System" oder „Systemstatus" an.
Was Sie zusätzlich zur reinen Versionsnummer prüfen sollten
Die Versionsnummer allein ist nur der Anfang. Für eine belastbare Einschätzung brauchen Sie mehr Kontext — sonst planen Sie im Blindflug.
- Geladene Erweiterungen:
php -mlistet alle aktiven Module. Fehlt eine Erweiterung wieintl,mbstringoder ein bestimmter Datenbanktreiber, bricht Ihre Anwendung nach einem Update möglicherweise an unerwarteter Stelle. - Aktive Konfiguration:
php --inizeigt, welchephp.initatsächlich geladen wird. Web und CLI verwenden oft unterschiedliche Konfigurationsdateien. - Support-Status: Gleichen Sie Ihre Version mit dem offiziellen Zeitplan auf
php.net/supported-versions.phpab. So sehen Sie sofort, ob Sie noch Sicherheits-Updates erhalten.
Was Ihre PHP-Version über Ihr System aussagt — und was nicht
Angenommen, die Prüfung ergibt PHP 7.4. Die naheliegende Reaktion ist oft Panik oder der Reflex, gleich alles neu zu bauen. Beides ist selten angebracht.
Eine alte PHP-Version bedeutet in erster Linie: Der Code darum herum wurde eine Weile nicht angefasst. Sie sagt nichts darüber aus, ob Ihre Fachlogik gut oder schlecht ist. Ein System, das seit acht Jahren Rechnungen korrekt berechnet, Bestellungen sauber verarbeitet und Ihre Kunden bedient, hat seinen Wert längst bewiesen. Das Problem sitzt fast nie in der Geschäftslogik, sondern in der Schicht drumherum: veraltete Abhängigkeiten, fehlende Tests, ein Framework, das eine Generation zurückliegt.
Genau das ist die gute Nachricht. Eine PHP-Migration von 7.4 auf 8.2 ist in aller Regel deutlich günstiger, schneller und risikoärmer als eine Neuentwicklung — denn die funktionierende Logik bleibt erhalten. Sie modernisieren das Fundament, nicht das Gebäude. Neuentwicklung ist meist die teuerste und riskanteste Option, nicht die sicherste.
Der praktische Kurz-Ablauf
Wenn Sie es richtig machen wollen, prüfen Sie in dieser Reihenfolge:
php -vfür die CLI-Version.phpinfo()im Browser für die Web-Version — und die Datei danach löschen.php -mfür die aktiven Erweiterungen.- Abgleich mit dem offiziellen Support-Zeitplan.
Nach diesen vier Schritten wissen Sie nicht nur die Nummer, sondern ob Sie ein akutes Sicherheitsproblem haben und wie weit der Weg nach vorne ist.
Praxis-Tipp zum Schluss: Wenn Web- und CLI-Version auseinanderlaufen, kümmern Sie sich zuerst um die Web-Version — das ist die, die im Zweifel öffentlich angegriffen werden kann. Und falls die Prüfung eine unangenehme Überraschung zutage fördert: Bei genau solchen Bestandsaufnahmen und der anschließenden PHP-Migration unterstützt LegacyWerk, ohne Ihnen vorschnell eine Neuentwicklung zu verkaufen.