Magento hat den Support für Magento 1 am 30. Juni 2020 beendet. Sechs Jahre später laufen damit noch Shops, die jeden Tag Bestellungen annehmen, mit einem Dutzend Extensions, einer Warenwirtschaft dahinter und einer Agentur, die es damals gebaut hat und heute nur noch Magento 2 oder Shopware anbietet. Das Angebot für den Neubau liegt seit zwei Jahren in der Schublade, weil es zu groß war.
Diese Seite ist für den, der die Schublade besitzt.
Was End of Life bei Magento 1 konkret heißt
- Keine Sicherheitsupdates vom Hersteller seit Mitte 2020. Magento 1 war und ist ein beliebtes Angriffsziel, weil Kartenzahlungen durchlaufen. Die bekannten Angriffe auf ungepatchte Magento-1-Shops lesen Zahlungsdaten im Checkout mit, oft monatelang unbemerkt.
- PHP-Decke. Magento 1.9 läuft nach meinem Stand bis PHP 7.2, und 7.2 ist selbst seit Ende 2020 ohne Updates. Der Hoster, der PHP 7 abschaltet, trifft Magento-1-Shops als Erste.
- Extension-Markt weg. Zahlungs-, Versand- und Marktplatz-Extensions für Magento 1 werden nicht mehr gepflegt. Der nächste API-Wechsel bei einem Zahlungsanbieter beendet Ihren Checkout ohne Vorwarnung.
- PCI DSS. Ein Shop auf einer Plattform ohne Sicherheitsupdates ist nicht konform. Bisher hat es niemand geprüft. Das ist kein Zustand, sondern Glück.
Was End of Life nicht heißt: dass Sie diese Woche sechsstellig in Magento 2 investieren müssen. Der Weg dahin hat eine Reihenfolge, und die erste Etappe ist klein.
Was passiert, wenn Sie nichts tun
Der wahrscheinlichste Auslöser ist nicht der Hack, sondern die Schnittstelle: Der Zahlungsanbieter stellt seine alte API ab, die Extension dafür gibt es für Magento 1 nicht mehr, der Checkout bricht in der Saison. Der zweite Auslöser ist der Hoster mit der PHP-Frist. Der dritte ist der Hack, und der ist der teuerste, weil Meldepflicht, Forensik, Sperrung durch den Zahlungsanbieter und Kundenkommunikation dazukommen.
In allen drei Fällen entscheiden Sie unter Druck, und unter Druck gewinnt das Angebot, das am schnellsten verfügbar ist.
Die drei realistischen Optionen
Option A: Bei Magento 1 bleiben, auf OpenMage wechseln, härten
OpenMage ist der gepflegte Community-Fork von Magento 1: Sicherheitspatches, PHP-8-Kompatibilität, gleiche Datenbank, gleiche Extension-Schnittstelle. Der Wechsel ist ein Update, kein Neubau. Dazu Admin-Zugang absichern, Extensions auf gepflegte Versionen oder raus, Web Application Firewall, Monitoring, Backups mit Wiederherstellungstest.
Woran es scheitert: An Extensions, die weder OpenMage noch PHP 8 überleben und für die es keinen Ersatz mehr gibt. Und an der Illusion, damit sei das Thema erledigt. OpenMage kauft Ihnen ein bis zwei Jahre ohne Druck. Es ersetzt die Entscheidung nicht, es macht sie planbar.
Option B: Migration auf Magento 2
Neuer Shop auf der aktuellen Plattform, Daten per Migrationswerkzeug, Extensions und Eigenentwicklungen neu, Theme neu. Bleibt im Magento-Ökosystem, was für Teams mit Magento-Erfahrung und komplexen B2B-Anforderungen der natürliche Weg ist.
Woran es scheitert: Am Umfang. Magento 2 ist ein großes System mit großen Betriebskosten, und ein Shop, der auf Magento 1 „klein“ war, wird auf Magento 2 nicht kleiner. Wenn Ihr Shop die Komplexität nicht braucht, bezahlen Sie sie trotzdem, jedes Jahr. Und wie bei jeder Replatforming-Migration: Die Eigenentwicklungen, die niemand aufgelistet hat, verdoppeln die Laufzeit.
Option C: Wechsel auf ein anderes Shopsystem
Shopware 6, Shopify, oder ein Shop als Modul der Warenwirtschaft. Richtig, wenn der Shop eigentlich Standard ist und Magento 1 damals nur gewählt wurde, weil es das gab.
Woran es scheitert: An den zwei Prozessen, die Ihr Vertrieb liebt und die kein Standardsystem abbildet, und an der ERP-Schnittstelle, die es beim neuen System nicht gibt. Ob das bei Ihnen zutrifft, sieht man im Befund, nicht in der Demo.
Die Reihenfolge, die ich empfehle
- Jetzt: Befund. Zwei bis drei Werktage lesender Zugriff auf Shop, Datenbank, Extensions und Schnittstellen. Ergebnis: die Liste aller Extensions und Eigenentwicklungen mit der Einschätzung, was OpenMage und PHP 8 überlebt, was in Magento 2 oder Shopware Standard wäre, was wegkann. Dazu die akuten Sicherheitspunkte und der Festpreis für die Härtung.
- Sofort danach: Option A als Minimal-Migration. OpenMage, PHP 8, Extensions bereinigt, Zugang und Backups abgesichert, Monitoring. Zwei bis vier Wochen. Danach haben Sie Zeit.
- Dann die Entscheidung B oder C, mit dem Befund als Ausschreibungsgrundlage für Agenturen, die dieselbe Liste abarbeiten.
- Bis zur Umschaltung: Werkstatt-Bereitschaft für den alten Shop. Jemand, der reagiert, wenn im laufenden Betrieb etwas passiert, während der neue Shop gebaut wird.
Was ich übernehme und was nicht
Befund, Härtung und OpenMage-Umstieg, Datenmigration mit Prüfung, den Neubau von Eigenentwicklungen und Schnittstellen im Backend, und die Bereitschaft für den alten Shop. Storefront, Theme und die Projektleitung einer Magento-2- oder Shopware-Migration macht in der Regel eine Shop-Agentur. Ich bin dort der, der das Alte kennt und das Neue mit sauberen Daten füttert.
Für wen dieser Weg nicht passt
Ein Shop mit wenigen hundert Artikeln, ohne Eigenentwicklungen, ohne Warenwirtschaft dahinter, braucht keinen Befund. Er braucht einen Wechsel zu einem gehosteten System, den eine Agentur in wenigen Wochen macht. Das sage ich Ihnen im kostenlosen Kurz-Check, wenn es so ist.