TYPO3 ist das CMS, das in Deutschland Unternehmensseiten, Hochschulen, Verbände und Behörden trägt, und es ist das CMS, bei dem Upgrades am häufigsten aufgeschoben werden. Der Grund ist strukturell: Ein Upgrade geht immer LTS zu LTS, jede Stufe hat eigene Anforderungen an PHP und Extensions, und die Extension, an der ein Prozess hängt, hat ab irgendeiner Version keinen Nachfolger mehr. Also bleibt die Installation auf 8.7, 9.5, 10.4 oder 11.5 stehen, oft mit ELTS, oft ohne.
Diese Seite ist für den, der die Seite verantwortet, seit zwei Jahren ein Upgrade-Angebot in der Schublade hat und nicht beurteilen kann, ob die Zahl darin stimmt.
Was eine alte LTS-Version konkret bedeutet
- Sicherheitsupdates nur noch gegen Geld oder gar nicht. Ohne ELTS bleiben veröffentlichte Lücken im Core offen. TYPO3-Lücken werden, wie bei jedem verbreiteten CMS, automatisiert ausgenutzt, ohne dass jemand Ihre Seite persönlich meint.
- Die PHP-Decke. TYPO3 8 bis 10 laufen nach meinem Stand nur auf PHP 7.x, und PHP 7 hat seit Ende 2022 keinen Support. Der Hoster, der PHP 7 abschaltet, macht aus dem aufgeschobenen Upgrade ein Notfall-Upgrade.
- Extensions ohne Pflege. Jede Extension aus dem TER, die für Ihre Version noch funktioniert, wird für neuere Versionen nicht mehr gepflegt. Je länger Sie warten, desto weniger davon hat einen Nachfolger.
- Audit-Fragen. Wer öffentliche Mittel, Barrierefreiheitspflichten oder einen Datenschutzbeauftragten hat, bekommt die Frage nach dem Patch-Stand irgendwann gestellt. „ELTS“ ist eine Antwort. „TYPO3 9 ohne alles“ ist keine.
Was passiert, wenn Sie nichts tun
Einer von drei Auslösern: Der Hoster stellt PHP 7 ab, und die Seite ist weg, bis jemand eine Umgebung mit alter PHP-Version findet. Eine Lücke wird ausgenutzt, meist mit Spam-Seiten oder Umleitungen, die Ihre Kunden vor Ihnen bemerken. Oder ein Audit, eine Vergabe oder ein neuer IT-Leiter fragt nach dem Stand.
Dann wird das Upgrade unter Druck beauftragt, ohne Extension-Matrix, an die Agentur, die als Erste Zeit hat. Das ist der teuerste Weg, TYPO3 zu aktualisieren.
Die drei realistischen Optionen
Option A: ELTS kaufen und in der Zeit planen
Extended Support vom Hersteller für die bestehende Version, dazu die Basis-Härtung: Backend-Zugang absichern, ungenutzte Extensions raus, Backups mit Wiederherstellungstest, Monitoring. Die Seite ist geschützt, ohne dass jemand etwas am Aufbau ändert.
Woran es scheitert: ELTS läuft aus, und die PHP-Decke bleibt. Wer ELTS als Endzustand behandelt, zahlt Jahr für Jahr für eine Version, die immer weiter von der aktuellen entfernt ist, und steht am Ende der Laufzeit mit einem noch längeren Upgrade-Pfad da. Als Brücke mit beauftragtem Upgrade ist Option A fast immer der richtige erste Schritt.
Option B: Upgrade-Pfad LTS zu LTS
8.7 auf 9.5 auf 10.4 auf 11.5 auf 12.4 auf 13.4, jede Stufe mit Upgrade-Wizard, Extension-Abgleich, Test, Abnahme. Irgendwo auf dem Weg die Umstellung auf Composer-Modus, wenn noch nicht geschehen. Eigen-Extensions werden pro Stufe angepasst, Extensions ohne Nachfolger durch Core-Funktionen oder Alternativen ersetzt.
Woran es scheitert: An der Extension, die niemand auf der Liste hatte und an der der Redaktions-Workflow hängt, und am Template, das seit TYPO3 6 mitgeschleppt wird und irgendwann neu muss. Wenn die Matrix vor Beginn steht, ist der Pfad lang, aber berechenbar. Ohne Matrix ist er ein Angebot, das nach der zweiten Stufe nachverhandelt wird.
Option C: Neuaufbau oder CMS-Wechsel
Frische TYPO3-13-Installation mit Inhaltsmigration, oder ein anderes CMS, wenn TYPO3 damals nur gewählt wurde, weil die Agentur es konnte.
Woran es scheitert: An den Eigen-Extensions und Rechtekonzepten, die beim Neuaufbau zum Neubau der Fachlogik werden, und an den Redakteuren, die zwölf Jahre TYPO3-Backend gelernt haben und beim Wechsel neu geschult werden. Für eine Installation mit Standard-Template und wenigen Extensions ist Option C oft günstiger als Option B. Für alles andere ist sie ein Neubau, der sich als Upgrade verkleidet.
Die Reihenfolge, die ich empfehle
- Jetzt: Befund. Zwei bis drei Werktage lesender Zugriff auf Installation, Datenbank, Extensions, Template und Hosting. Ergebnis: die Extension-Matrix (Nachfolger vorhanden, durch Core ersetzbar, neu zu bauen, entbehrlich), der Zustand von Template und Eigen-Extensions, die PHP-Anforderungen pro Stufe, die akuten Sicherheitspunkte und ein Aufwandsband pro Stufe.
- Sofort danach: Option A. ELTS, falls verfügbar, plus Härtung. Damit gewinnen Sie die Zeit, den Pfad ohne Druck zu gehen.
- Dann Fahrplan oder Ausschreibung. Mit der Matrix als Grundlage ist ein Angebot vergleichbar, egal ob von mir oder einer TYPO3-Agentur. Der Fahrplan legt die Etappen fest, jede für sich abnehmbar.
- Upgrade in Etappen, Stufe für Stufe, jede lauffähig, jede deployt. Kein Big Bang, bei dem drei Monate lang nichts online geht.
Was ich übernehme und was nicht
Befund, Extension-Matrix, Fahrplan, die Anpassung von Eigen-Extensions und Schnittstellen, Composer-Umstellung, PHP-Anhebung, und den Upgrade-Pfad selbst, wenn keine TYPO3-Agentur im Spiel ist. Template-Neubau und Redaktionsschulung übernimmt eine TYPO3-Agentur besser als ich. Wenn Sie eine haben, arbeite ich zu, nicht dagegen.
Für wen dieser Weg nicht passt
Eine Installation mit Standard-Template, zehn Extensions aus dem TER und ohne Eigenentwicklung braucht keinen Befund. Sie braucht eine TYPO3-Agentur, die den Upgrade-Pfad routinemäßig geht, oder einen Neuaufbau mit Inhaltsmigration. Das sage ich Ihnen im kostenlosen Kurz-Check, wenn es so ist.